(Foto: Drägerwerk AG & Co. KGaA)
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Business-Interviews

5 Fragen an Dr. Bettina Möbius

Director Central Regulatory & Clinical Affairs, Medizintechnik

Wo eine Bettina ist, ist auch ein Weg

Welche Dinge haben Ihnen zu Ihrem Erfolg verholfen?

Ich hatte nie einen festen Karriereplan oder das Ziel, mich alle fünf Jahre beruflich neu zu orientieren. Im Mittelpunkt stand für mich immer die Erweiterung meiner fachlichen Expertise und damit auch meines eigenen Handlungsspielraums. Meine erste Führungsaufgabe habe ich spät übernommen – mit 37 Jahren, als ich vom Kollegenkreis zur Führungskraft eines kleinen Teams wurde. Das war eine herausfordernde Phase ohne klare Vorbilder, sodass ich vieles ausprobieren musste.

Erst durch professionelles Coaching und das Bewusstsein für meine eigenen Motive und Potenziale habe ich wirklich meinen Flow gefunden. Ich sehe mich als Netzwerkerin und kann Menschen gut miteinander verbinden. Hat mich diese Fähigkeit aktiv in meiner Karriere vorangebracht? Rückblickend würde ich das verneinen, denn ich habe sie nie bewusst als strategisches Karrieretool eingesetzt.

Mein Erfolg gründet vielmehr auf der kontinuierlichen Bereitschaft, zu lernen, mich persönlich weiterzuentwickeln und offen für neue Erfahrungen zu bleiben – statt einen klassischen Karriereweg zu verfolgen oder mich ausschließlich auf Aufstieg zu konzentrieren.

Was war der beste/wichtigste Business-Ratschlag, den Sie je bekommen haben – und von wem?

Der wichtigste Rat, den ich über die Jahre verinnerlicht habe, ist, mich selbst nicht ständig infrage zu stellen. Zum Beispiel mit der Frage: „Kann ich das überhaupt?“ Es gibt niemanden, egal auf welchem Level oder mit welcher Erfahrung, der von Anfang an alles perfekt beherrscht. Diese Erkenntnis ist für mich zentral: Wachstum und Entwicklung entstehen durch das Ausprobieren, durch das Lernen aus Fehlern und durch die Bereitschaft, auch Unsicherheiten zuzulassen.

Wer mich darin besonders bestärkt hat, war mein Coach, die mir früh vermittelt hat: „Niemand steigt als Experte ein – alle wachsen an ihren Aufgaben.“ Dieser Gedanke hat mir geholfen, Herausforderungen offen anzunehmen und mich auf neue Themen einzulassen, ohne mich von Selbstzweifeln ausbremsen zu lassen.

Was war das (bislang) wichtigste Learning Ihrer Karriere?

Es gibt verschiedene Schlüsselmomente in meiner Laufbahn, aber ein Erlebnis ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Vor etwa elf Jahren bewarb ich mich auf eine verantwortungsvollere Position. Im Rahmen des Bewerbungsgesprächs wurde ich – von einer Frau im Beisein einer weiteren Frau – gefragt, wie ich das mit meinem Kind vereinbaren wolle. Diese Frage wurde ganz selbstverständlich gestellt und zielte darauf ab, meine Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu hinterfragen.

Meine spontane Reaktion war eine Gegenfrage: „Würden Sie diese Frage auch einem männlichen Bewerber stellen?“ Darauf erhielt ich lediglich eine ausweichende Antwort, und ich habe mich entschieden, auf die ursprüngliche Frage nicht weiter einzugehen.

Diese Erfahrung war für mich prägend. Sie hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, unabhängig vom Geschlecht auf Augenhöhe miteinander umzugehen. Für mich ist es selbstverständlich geworden, Bewerber:innen nicht nach Geschlechterrollen, sondern nach ihren Potentialen und Motiven zu beurteilen. Wer sich auf eine Position bewirbt, hat sich zuvor intensiv damit auseinandergesetzt, ob die neue Aufgabe zur aktuellen Lebenssituation passt – daran habe ich seitdem keinen Zweifel mehr.

Stichwort Stress und mentale Gesundheit: Wie achten Sie auf sich?

Mein Umgang mit Stress und mentaler Gesundheit hat sich im Laufe meiner Karriere deutlich verändert. Früher war ich oft bestrebt, alles unter einen Hut zu bringen, Beruf, Familie und Sport. Aber gerade bei kleinen Kindern war das schlechte Gewissen häufig präsent und die eigene Erholung kam zu kurz. Heute weiß ich, wie wichtig regelmäßige Pausen und Selbstfürsorge sind und rate auch jungen Führungskräften ganz klar dazu.

Für mich sind regelmäßiges Coaching und Sport zu zwei festen Säulen geworden. Coaching sehe ich als unverzichtbare Begleitung, besonders beim Einstieg in eine Führungsrolle. Niemand ist eine „geborene Führungskraft“, sondern entwickelt sich stetig weiter. Durch externe Impulse, kritisches Feedback und neue Methoden bleibt man lernfähig und offen. Sport ist für mich die zweite wichtige Ressource. Er zwingt mich, den Arbeitstag bewusst zu beenden, feste Termine einzuhalten und den Kopf freizubekommen. Es gibt immer Aufgaben, die auf Erledigung warten, doch mentale Pausen sind essenziell. Ich empfehle heute jeder Führungskraft: Gönnen Sie sich Auszeiten und verabschieden Sie sich von dem Anspruch, immer und überall präsent sein zu müssen – schlechtes Gewissen inklusive.

Ihre Vision, Ihr Wunsch, Ihre Ideen: Wie arbeiten wir 2030?

Wenn ich an die Arbeitswelt im Jahr 2030 denke, steht für mich die digitale Transformation im Vordergrund. Künstliche Intelligenz ist längst mehr als nur ein Schlagwort – sie birgt großes Potenzial, aber auch Unsicherheit, gerade mit Blick auf die Frage, wie sich Arbeitsinhalte und -rollen verändern. Ich erlebe in meinem Umfeld oft die Sorge, ob der eigene Job bestehen bleibt, doch mein Ansatz ist ein anderer: Wie kann KI unsere Arbeit bereichern und attraktiver machen?

Viele Aufgaben sind heute noch geprägt von Routinetätigkeiten, die zwar erledigt werden müssen, aber wenig Freiraum für kreative oder wertschöpfende Prozesse lassen. Mein Wunsch ist, dass wir KI gezielt so einsetzen, dass sie genau diese Tätigkeiten übernimmt und dadurch Raum schafft für Innovation, Weiterbildung und Entwicklung. Arbeit sollte sich darauf konzentrieren, echten Mehrwert zu generieren – für Unternehmen und für die Mitarbeitenden selbst.

Wichtig bleibt für mich ein ausgewogenes Zusammenspiel von Ressourcen, Mehrwert und Profitabilität. Die Zukunft verlangt Kompetenzen wie Lernbereitschaft, Offenheit für Veränderung und die Fähigkeit, sowohl mit digitalen Technologien als auch im Team souverän umzugehen. Für mich steht die Attraktivität der Arbeit im Mittelpunkt. Damit wir gemeinsam neue Lösungen entwickeln und die Chancen der digitalen Transformation nutzen.

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Hinzugefügt: Februar 2026

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